Drei mal BMW GS. F 650, F 800 & R 1200 im Vergleich.
BMW GS-Vergleich
Eine Frage muss geklärt werden:
GS, GS oder GS?
Die Szenerie mag für manche einen Albtraum darstellen. Drei
Motorräder stehen für ausgiebige Testfahrten zur Auswahl und alle sind
von BMW. Auf der anderen Seite handelt es sich dabei für viele um eine
Wunschvorstellung, eine perfekte Welt. So ist das mit den Bayern Bikes.
Eine starke, selbstbewusste - oft als arrogant verstandene - Identität
und der überzeugte Glaube an die eigene Philosophie führen zwangsläufig
zur Polarisation. Ob man nun positiv oder negativ geladen ist, muss man
am Ende selbst entscheiden. Tatsache ist, dass Motorräder aus München
über jede Menge Anziehungskraft verfügen.
Ein großer Teil dieser Kraft geht seit langer Zeit von der
GS-Modellreihe aus. Seit 1980 der Urahn aller großen Enduros, die R 80
GS, vorgestellt wurde hat sich einiges getan. Heute 2008 befinden wir
uns im Jahr der GS. 1000PS nimmt sich der drei verschiedenen GS Modelle
an und gibt antwort auf die Frage, welche GS passt zu wem.
GS - Leistungsdiagramm
Die Leistungskurven der F650GS, F800GS und R1200GS. Quelle:
MOTORRAD
Leistungsdiagramme sind selten dazu da um die Neugier der Leser zu
befriedigen, sondern eher dazu da um unfähigen Journalisten das Schreiben
zu erleichtern. Denn mit einem Diagramm - schwarz auf weiß - lässt es
sich leichter über "Dellen im Drehmomentverlauf" schreiben, als wenn man
diese Dellen im Sattel erleben muss. Doch bei den GS Modellen sind die
Unterschiede deutlich und passen perfekt zur Positionierung der
Motorräder. Schön zu sehen und auch zu spüren sind die Unterschiede der
F650 und der F800. Erst im oberen Drehzahlbereich wird der günstigere
Motor der der 650er (ebenfalls jedoch mit 800 ccm) schwächer als das F
800 Triebwerk. In der Praxis bedeutet das, dass die F800 bei
Überholmanövern oder bei sportlicher Fahrweise im hohen Drehzahlbereich deutlich flotter beschleunigt. Im Stadtverkehr oder bei Touren
im zivilen Geschwindigkeitsbereich, ist der F650 Motor genauso gut wie
der 800er. Klar zu sehen auch der deutliche Vorsprung der 1200er. Nicht
nur in Sachen Spitzenleistung ist die große GS stärker, sondern auch in
jenem Bereich den man beim Beschleunigen aus den Kurven wirklich spürt.
Von 4.000 - 7.000 zerren immer 20 Pferde mehr am Kardanantrieb der
1200er als auf den Ketten der beiden anderen Bikes.
F 650 GS
Die kleine, obwohl sie über den gleichen Hubraum verfügt wie die F 800
GS, gibt den Einstieg in die GS Welt. Die 650 GS ist durch ihre kompakte
Bauweise, sowie durch ihre gutmütige Motorabstimmung das perfekte
Motorrad für den Alltag und gemütliche Tagestouren. Genauso wie man sie
im Geschäft präsentiert bekommt, fährt sie auch. Weniger Abenteuer, mehr
Strasse, weniger Spitzenleistung, angenehmer und gerade recht
dimensionierter Motor für Touren und den Weg zur Arbeit.
Die F
650 GS im Vergleich zu den anderen GS
+
-
Die kleine GS ist in jeder Hinsicht günstiger. Beim Kauf
und auch beim Tanken. Sie verbraucht weniger und kommt noch
dazu mit Normalbenzin aus.
Niedrigere Sitzhöhe. Eine Enduro, die auch von Frauen
problemlos gefahren werden kann. Mit Tieferlegungskit kommt
man bis auf 765 mm Sitzhöhe runter.
Trotz geringen Preises hochwertige Verarbeitung.
Cockpit, Bedienelemente, Verkleidung usw. wirkt nicht
billig. Gespart wurde nur dort, wo es für den Einsatzzweck
nicht weh tut.
Der geringe Verbrauch sorgt für eine riesige Reichweite
von 400 km
Leistung fehlt, wenn man sportlich unterwegs ist, auf
längeren Touren zu zweit oder im Gebirge mit viel Gepäck.
Auch Fahrwerk und Bremse haben nicht die Güte einer
800er oder 1200er. Zu spüren ebenfalls bei hoher Beladung
oder bei flotter Gangart.
Im Vergleich zur großen GS gibt es keine Schmankerln wie
Traction Control, Kardanantrieb und ESA (elektronisch
einstellbares Fahrwerk)
Die Überraschung für uns: Wenn man die Gänge perfekt sortiert, kann man mit den
kleineren GS-Modellen relativ lange mit der großen GS mithalten. Erst im hohen
Geschwindigkeitsbereich zieht die große GS richtig davon. Was man hier natürlich
nicht ablesen kann, sind die Vorteile der großen GS bei starker Steigung oder
mit hoher Beladung.
F 800 GS
Die 800er GS ist für uns keine kleine GS, sondern eine GS
für NICHT-BMW Fans. Im Prinzip vereint sie also die Tugenden der 1200er
ohne deren Macken, wie Neulinge sagen würden. Da hätten wir zum Beispiel
die Gabel. In der GS arbeitet eine hochwertige aber konventionelle
Telegabel. Wenn man bremst, taucht sie ein und für Bodenwellen in den
Kurven bleiben weniger Reserven als bei der 1200er GS. Auf den ersten
Metern fühlt sich die F 800 GS aber auch für komplette Neueinsteiger in
die BMW Welt sofort durchschaubar an. Die R 1200 GS kann dieses Gefühl
erst nach einer längeren Ausfahrt vermitteln. Auch die Antriebseinheit
der "echten" GS hat mit Boxermotor und Kardanantrieb eine Überraschung
bereit. Wenn man ihr am Ampel einen Gasstoß versetzt, dann versetzt Dir
die 1200 RGS einen sanften Stoß zur Seite zurück. Der "ganz normale"
Motor der 800er ist ein Reihentwin 800er mit Kettenantrieb.
Eigentlich ist die F 800 GS der logische Nachfolger von Hondas Africa
Twin. Denn beim Thema Abenteuer geht die F 800 GS einen Schritt weiter
als die 1200er. Eigentlich ist die F 800 überraschend böse geworden,
flößt kleinwüchsigen und ängstlichen Personen schon durch die
eindrucksvolle Schulterhöhe von 880 mm großen Respekt ein.
In der gelb-schwarzen Lackierung wirkt sie so harmlos wie ein Schwarm
afrikanischer Killerbienen und in darkmagnesium friedlich
wie ein voll bestückter Stealth Fighter bei Defcon 1. Man ist es
zunächst nicht gewohnt, so hoch zu Ross die Straßen in und um die
Großstadt zu bereiten. An der Ampel herrscht zunächst ein wenig
Unsicherheit, wenn die Zehenspitzen vorsichtig mit dem Gleichgewicht
verhandeln. Den anderen GS Modellen überlegen ist die 800er dort, wo
hohe Federwege benötigt werden. Offen gesagt konnte wir bei dieser
Ausfahrt auf der 1200er die 800er nicht wirklich besiegen. Die Berge
waren nicht steil genug, Spitzkehren gab es auch keine und lange Gerade
fehlten auch. Im typischen Alpenvorland ist die 800er der 1200er
ebenbürtig.
Nur die 650er war bei sportlicher Fahrweise unterlegen. Klarerweise
schüttelte man die Leistung im Sattel der großen GS locker aus dem
Ärmel, wohingegen auf der 800er kräftig gedreht und geschalten werden
musste. Das Leistungsmanko zur 1200er macht sich erst bei voller
Beladung mit Sozius und Gepäck oder auf echten Bergen bemerkbar.
Die F
800 GS im Vergleich zu den anderen GS
+
-
je nach
Ausstattungsvarianten zwischen 3.000 und 4.000 Euro
günstiger als die große GS. Aber natürlich auch teurer als
die 650er.
Trotz des niedrigen
Preises nur sehr geringe Abstriche beim Fahrkomfort.
BMW Neulinge finden
sich sehr viel schneller wohl
Auf schnellen
Schotterpassagen erfreut man sich am niedrigeren Gewicht.
Längere Federwege bei
hartem Geländeeinsatz
In der
Motorblockregion deutlich schmäler. Bringt in manchen
Geländepassagen ein paar Vorteile.
Pragmatisch
betrachtet genau die goldene Mitte. Mehr ist Luxus.
Der Motor muss auf
einem höheren Drehzahlniveau bewegt werden. Dadurch kann die
Geräuschkulisse nervig werden.
In engen
Geländepassagen oder in Spitzkehren hat der tiefe Boxermotor
seine Vorteile. Trotz weniger Gewicht, fühlten wir uns auf
der dicken GS sicherer.
Mit viel Gepäck und
Sozia ist Hubraum durch nichts zu ersetzen.
Im Vergleich zur großen GS gibt es keine Schmankerln wie
Traction Control, Kardanantrieb und ESA (elektronisch
einstellbares Fahrwerk)
wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei oben liegende,
kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Einspritzung, Ø 46 mm, geregelter Katalysator,
mechanisch betätigte
Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Schmierung
Trockensumpfschmierung
Bohrung x Hub
82,0 x 75,6 mm
Hubraum
798 ccm
Verdichtungsverhältnis
12,0:1
Nennleistung
62,5 kW (85 PS) bei 7500/min
Max. Drehmoment
83 Nm bei 5750/min
Batterie
12V / 14 Ah, Lichtmaschine 400 W
Fahrwerk
Upside-down-Gabel, Ø 43 mm, Zweiarmschwinge aus Aluminium,
Zentralfederbein, direkt angelenkt, verstellbare Federbasis und
Zugstufendämpfung
Rahmen
Gitterrohrrahmen aus Stahl, Motor mittragend
Bremse vorne
Doppelscheibenbremse Ø 300 mm, Doppelkolben Schwimmsättel
Bremse hinten
Scheibenbremse Ø 265 mm, Einkolben Schwimmsattel
Alu-Gussräder
2.15 x 21; 4.25 x 17
Reifen
90/90 21; 150/70R 17
Bereifung im Test
Bridgestone Battle Wing BW 501/502 "G"
Radstand
1578 mm
Lenkkopfwinkel
64,0 Grad
Nachlauf
117 mm
Federweg vorne
230 mm
Federweg hinten
215 mm
Sitzhöhe
880
Gewicht vollgetankt
222 kg
Zuladung
221 kg
Tankinhalt/ Reserve
16 / 4 L
Gewährleistung
2 Jahre
Service-Intervalle
alle 10000 km
Farben
Gelb/Schwarz ,Silber/Schwarz
Leistungsvarianten
25 kW ( 34 PS )
Grundpreis
11.299 Euro
Der BMW Vergleich auf Video. 1000PS Chefauspeitscher
NastyNils zeigt seinen lahmen Redakteuren kot und arlo nicht nur wie man
Motorrad fährt, sondern auch wie man mit sexy Stimme ein Motorrad seinen treuen 1000PS
Usern vorstellt.
Wer sich das Video auf seinen Computer downloaden möchte, klickt mit
der rechten Maustaste hier und wählt "Ziel speichern unter".
Schnitt: volli
Videodreh: volli, arlo
R 1200 GS
Es drängt sich die Frage auf: Kann man ein Motorrad noch besser bauen
als die große GS? Dass sie fast jedes Jahr ganz oben am Stockerl der
meist verkauften Motorräder steht, ist schließlich eine Tatsache und
kein Marketingschmäh. Jedes Jahr entscheiden sich eine ganze Menge an
Motorradfahrern für eine 1200 GS. Dabei wird das hauptsächliche
Entscheidungskriterium
wahrscheinlich wie folgt lauten: Welches Motorrad bedient möglichst viele meiner
Bedürfnisse und bietet den größtmöglichen Einsatzradius, von der
täglichen, pflichtbewussten Dienstfahrt mit Aktentasche ins Büro, bis zur
zweisamen Urlaubsreise inklusive Gepäck für 14 Tage in die Alpen. Sie
verfügt nicht nur über eine sportliche Beschleunigung, sondern über
einen ebenso satten Durchzug, was in der Realität noch viel wichtiger
ist, als der uralte 0-100 Wert.
Nicht nur in Sachen Motorleistung holt sich die 1200er den ersten Platz,
auch in Punkto Fahrkomfort hat sie, wenn auch nur knapp die Nase vorn,
zudem gibt's für die 1200 das elektronische "ESA" Fahrwerk welches die
Verstellung des Fahrwerkes während des Fahrens ermöglicht.
Wer beim Motorradkauf etwas Unentschlossen ist, und am liebsten eine
eierlegende Wollmilchsau hätte, der ist mit der 1200 am besten
unterwegs. Zudem ist die 1200 die einzig wahre GS, nämlich die GS mit
Boxermotor und Kardanantrieb.
Zuletzt waren wir mit der 1200 GS in Sizilien
unterwegs. Es war wieder einmal beeindruckend, wie spielerisch einfach
die GS durch engste Spitzkehren wedelt. In dieser Disziplin ist die 12er
GS nicht nur innerhalb der GS Palette sondern auch im Vergleich zu
anderen Motorrädern dieser Gattung unschlagbar. Beim Anbremsen in die
Spitzkehre bleibt dank des Telelever System genug Restfederweg für
Schlaglöcher vorhanden. Beim Umlegen erfreut man sich am niedrigen
Schwerpunkt und am ausgezeichneten Chassis, beim Rausbeschleunigen dann
die geballte Boxer Power aus dem Drehzahlkeller. Wer also das beste
Motorrad für lange Reisen in die Alpen möchte, muss auch 2008 noch die
volle Latte einzahlen. Da hilft keine 800er und auch keine 650er. Beim
Reisen ist und bleibt die ECHTE GS die Nummer 1.
Der Boxermotor hat den meisten Punch aus dem
Drehzahlkeller und bietet mit dem niedrigen Schwerpunkt viel
Sicherheit auf engem Terrain.
Sitzkomfort und Windschutz sind ausgelegt für lange
Reisen. Hier ist die große GS ungeschlagen.
Der Kardanantrieb ist quasi wartungsfrei. In Kombination
mit den 10.000km Serviceintervallen (das haben die anderen
GS Modelle auch) kann man quasi vom Nordkap nach Gibraltar
und retour fahren - ohne das Werkzeug anzugreifen.
Für Technikfreaks und Perfektionisten gibt es ESA
(elektrisch einstellbares Fahrwerk) und ASC
(Traktionskontrolle)
Die große GS ist natürlich auch am teuersten. Nicht
vergessen: Die feinen Features wie ESA und ASC sind nicht im
Grundpreis enthalten. Eine gut ausgestatte GS kostet
zwischen 16.000 und 17.000 Euro.
Für BMW-Neueinsteiger bietet die 1200er sehr viele
Besonderheiten auf einmal. Eine Probefahrt unter 100km macht
gar keinen Sinn.
Hohes Gewicht und hohe Sitzbank schränken die Zielgruppe
deutlich ein.
Im Gelände werden die Boxer manchmal zum Nadelöhr.
Farben BMW R
1200 GS
namibiaorange
tansanitblau
schieferdunkel-metallic
titansilber-metallic
Technische
Daten
BMW R 1200 GS
Motor
luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor, eine
Ausgleichswelle, je eine hoch liegende, kettengetriebene Nockenwellen,
vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Stoßstangen, Kipphebel,
Einspritzung, Ø 47 mm, geregelter Katalysator, hydraulisch betätigte
Einscheiben-Trockenkupplung, Sechsganggetriebe, Kardan
Schmierung
Nasssumpfschmierung
Bohrung x Hub
101,0 x 73,0 mm
Hubraum
1170 ccm
Verdichtungsverhältnis
12,0 : 1
Nennleistung
77,0 kW (105 PS) bei 7000/min
Max. Drehmoment
115 Nm bei 5750/min
Batterie
12V / 14 Ah, Lichtmaschine 720 W
Fahrwerk
längslenkergeführte Telegabel, Ø 41 mm, verstellbare Federbasis,
Zweigelenk-Einarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein, direkt
angelenkt, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung
Rahmen
tragender Motor-Getriebe-Verbund
Bremse vorne
Doppelscheibenbremse vorn, Ø 305 mm ,Vierkolben-Festsättel
Bremse hinten
Scheibenbremse hinten, Ø 265 mm, Doppelkolben-Schwimmsattelelektronische
Schlupfkontrolle