Viel guter Gummi und nur 48 Stunden zum Testen. Dauerbrennen in Calafat.
Michelin Reifen-Workshop
Calafat 2008
Neue Mischungen,
neue Reifen, neue Dimensionen
Ein Reifen kann ein Motorrad noch besser machen.
Umgekehrt funktioniert das nicht so gut.
Sportreifentests seien das Beste, ließ mich Nils
jedes Mal nach seiner Heimkehr wissen. Alle wesentlichen 1000er und
600er Supersportler vor Ort, technische Betreuung wie ein Profi und
Reifen, von denen die Hersteller wirklich überzeugt sind. Tatsächlich
dort hin ließ er mich allerdings nie. Nur wenn es wirklich nicht anders
ginge und ihn die Pflicht an andere Aufgaben band, hätte ich eine
Chance, auch in den Genuß des Besten zu kommen. Zum Glück ist das
Schicksal manchmal - wenn auch äußerst selten - doch gerecht. Chancen soll man Nutzen,
wenn sie sich einem bieten. Michelin Sportreifen Test.
Bei dem erstklassigen Angebot an Arbeitsgeräten muß man als Reifenfirma
schon damit rechnen, dass das eigene Produkt zunächst von zweitrangigem
Interesse ist. Denn die Frage „Was fährst denn als erstes“ wird dir
niemand mit Slick, Powerrace oder 2 CT beantworten.
Wie gut ist nun "das Beste"? Zunächst
waren tatsächlich alle japanischen Supersportler der Mittel- und
Schwergewichtsklasse anwesend. Zudem noch einige nette Naked-Bikes wie
Suzuki GSR, Yamaha FZ-6 oder Ducati Monster S2R 1000 und die Big-Enduros
BMW R1200GS, Honda Varadero und Suzuki V-Strom 1000. Die Strecke in
Calafat war natürlich exklusiv für uns gemietet worden, was bedeutete,
daß nichts und niemand die Idylle stören konnte. Zudem waren viel mehr
Motorräder verfügbar als Journalisten vor Ort. Betreut wurden wir von
einigen Michelin-Mechanikern, die sich um den Reifenwechsel (während der
Mittagspause), das Anbringen der Reifenwärmer und Sonderwünsche
kümmerten. Wieviel Fahrzeit uns blieb? Nun ja, morgens teilte man uns
mit, daß um 18 Uhr Schluß sei. Fehlte nur noch ein Kran, der uns von
Motorrad zu Motorrad hob. So mußten wir leider nach jedem Turn selbst
absteigen um sofort auf ein anderes Modell zu wechseln. War ein bisschen
mühsam.
Schnell war klar, welches die drei beliebtesten Supersportler hier in
Calafat werden würden. Allen voran die Honda CBR 600 RR, gefolgt von
Suzuki GSX-R 750 und Honda Fireblade. Kein Wunder. Auf der
anspruchsvollen, kurzen Strecke zählen Handlichkeit und nicht pure
Leistung, eine 1000er bringt praktisch keinen Vorteil, verlangt nur den
Handgelenken wesentlich mehr ab. Die Wahl des richtigen Instruments war
entscheidend.
Apropos Handling...
Apropos goldene Mitte...
Neu vorgestellt wurden der Slick in der Dimension 19/69-17, die neuen
Mischungen des Power Race mit der Bezeichnung "D" und "E" sowie der
völlig neue Big-Enduro Reifen "Anakee 2".
Michelin Workshop Calafat
Video
Zwei Tage Rennstrecke, 20 Motorräder, 15
Journalisten, unendlich viele Reifen, beinahe unendlich viel Grip.
Der raue Asphalt in Calafat mit diffizilem Streckenverlauf schenkt
Fahrern und Reifen gleichermaßen nichts. Bis auf einen Fahrer
blieben alle standhaft. Vor allem die Reifen.
Wer sich das Video auf seinen Computer
downloaden möchte, klickt mit der rechten Maustaste hier und wählt
"Ziel speichern unter".
Schnitt: KarolettaLambretta
Videodreh: kot
Neue Dimension: Michelin Slick
Eine neue Dimension und drei neue Mischungen beim Hinterreifen. Das
größere Volumen des Reifens sorgt für mehr Eigendämpfung, die breitere Auflagefläche
für mehr Grip und gleichzeitig für längere Standzeiten, verbindet also
zwei wichtige Eigenschaften in idealer Weise. Die neue Dimension trägt die Bezeichnung 19/69-17, wobei die
"19" abgekürzt für die Reifenbreite "190" steht und "69" für den
absoluten Reifendurchmesser in Zentimeter.
Mit den drei neuen Mischungen hat der Fahrer die Möglichkeit,
die Reifenwahl auf die verschiedensten Strecken- und
Temperaturverhältnisse abzustimmen. Für Calafat waren die mittel-harten
Reifen die richtige Wahl, da es sich um eine sehr abrasive Strecke
handelt und viele Runden an Stück gefahren wurden.
Für Normalsterbliche macht es zwar keinen Unterschied, ob man einen Power
Race oder einen Slick aufzieht. Das spielt sich mehr im Kopf ab. Der
Slick ist einfach die letzte Konsequenz, das Ultimative. Nichts schenkt
mehr (Selbst-)Vertrauen, als ein Reifen ohne Schnittmusterverzierung.
Außerdem läuft er um eine Nuance stabiler, lenkt um einen Tick präziser
ein und hält dich noch im Sattel, wenn du es mit der Schräglage und dem
Gasgeben eigentlich schon übertrieben hast. Für die einen geht's da um
Sekunden, für die anderen schlicht um den Spaß.
Michelin
Slick
Reifen
Dimension
Mischung
Eigenschaften
hinten
19/69-17
S 1910A
*neu*
- weich
- optimal bei 'tiefen' Temperaturen < 20°
- geeignet für wenig abrasive Strecken
- für Sprintrennen < 100 km Distanz
hinten
19/69-17
S 1920A
*neu*
- mittel
- optimaler Grip
- geeignet für sehr hohe Temperaturen
- für Rennen bis 150 km Distanz
hinten
19/69-17
S 1930A
*neu*
- mittel hart
- Langstrecken-WM erprobt
- abrasive Strecken
- ideal für lange Distanzen und Renntrainings
Neue Varianten: Michelin Power
Race D und E
Die zwei neuen Varianten des Michelin PowerRace mit den Kürzeln D
und E sind für zwei verschiedene Einsatzzwecke entwickelt worden, die
sich beide perfekt ergänzen. E steht für die härtere Mischung, die vor
allem für Trainings Verwendung finden soll und besonders lange hält.
Deutsche Rennteams waren nach ersten Einsätzen von der Haltbarkeit dieser
Mischung begeistert. Da waren plötzlich Schuhe zu groß, weil derart hohe
Schräglagen möglich sind, oder Tanks zu klein, weil der Reifen einfach
nicht aufgeben will. Manche sprachen gar von gesicherten Budgets "Der
Reifen geht noch, mit dem fahren wir locker noch einen Turn." In Calafat
waren die Verhältnisse ähnlich, wie an einem Trainingswochenende.
Die Bikes wechselten ständig durch. Du kamst von einem 15 bis 20 Runden
Turn zurück in die Box und fuhrst mit einem anderen Motorrad sofort
wieder raus auf die Strecke, wodurch den Reifen kaum Pausen gegönnt
waren. Erst nach langer Dauerbelastung fingen sie an zu schwächeln, was
sich aber äußerst vorsichtig ankündigte und sehr gut zu kontrollieren
war.
Die Mischung mit der Bezeichnung D ist dagegen
für Sprintrennen bestimmt, bietet höheren Grip aber wesentlich kürzere
Haltbarkeit. Sie sind in den Dimensionen 180/55 ZR 17 und 190/55 ZR 17
erhältlich. Beide Reifen werden durch den Power Race C an der
Vorderachse ergänzt. Die bekannten Mischungen SOFT, MEDIUMSOFT und
MEDIUM sind weiterhin verfügbar.
Michelin
Power Race
Reifen
Dimension
Varianten
hinten
150/60 ZR 17
SOFT
hinten
160/60 ZR 17
SOFT, MEDIUM SOFT, MEDIUM
hinten
180/55 ZR 17
SOFT, MEDIUM SOFT, MEDIUM
hinten
180/55 ZR 17
D
*neu*
hinten
180/55 ZR 17
E *neu*
hinten
190/50 ZR 17
SOFT, MEDIUM SOFT, MEDIUM
hinten
190/55 ZR 17
SOFT, MEDIUM SOFT, MEDIUM
hinten
190/55 ZR 17
D
*neu*
hinten
190/55 ZR 17
E
*neu*
vorne
110/70 ZR 17
SOFT
vorne
120/60 ZR 17
SOFT
vorne
120/70 ZR 17
MEDIUM
vorne
120/70 ZR 17
MEDIUM SOFT
vorne
120/70 ZR 17
SOFT
vorne
120/70 ZR 17
C
Neuer Reifen: Michelin Anakee 2
Daß man mit einem mehrere Tausend Kilometer überdauernden Sportreifen
heute auch gerne mal einige Runden auf der Rennstrecke drehen kann und
sich dabei verdammt nah an der Schräglagenperformance des MotoGP bewegt,
ist zwar immer noch ein Wahnsinn, doch für ebenso verwöhnte wie
informierte Streetracer am letzten Stand der Technik keine Überraschung
mehr. Muß ja so sein, mit etwas anderem würden wir uns erst gar nicht
zufrieden geben.
Was dagegen die neuen Reifen für Big-Enduros im Schatten der
leistungsorientierten Welt im Stillen geduldig leisten, ist der wahre
Wahnsinn. Sie haben nämlich neben Grip und Laufleistung die schwere Last
einer weiteren Komponente auf ihren schwarzen Schultern zu tragen: Die
Haftung bei Nässe.
Um auch diese zu optimieren, weist der Anakee 2 nach außen sich
öffnende Profilrillen auf, um ein möglichst schnelles und direktes
Abfließen des Wassers zu ermöglichen. Wirkt das Profil noch
Vertrauen erweckend, wenn man an Schmutz und Nässe denkt, so tut es das
gar nicht beim Gedanken an eine Rennstrecke. Das ändert sich wenn man
weiß, daß sogar solche Reifen mit dem Wissen und der Technik aus dem
MotoGP entwickelt werden. Die neue Gummimischung des Anakee 2 ist 100%
Silica-verstärkt, was die Haftung auf nasser Fahrbahn optimiert. Bisher
gab es bei Reifen mit besonders guter Haftung nur ein Problem. Sie
hielten nicht lange. Ein Problem, das man mit dem neuen Anakee wieder
ein Stück weit entschärfen konnte.Bei einer unabhängigen
Studie des französischen Versuchszentrums C.E.R.M. wurde dem neuen Anakee
2 29% mehr Laufleistung gegenüber der Konkurrenz attestiert, das
bedeutet in der Praxis fast ein Drittel mehr Kilometer mit einem
Reifensatz.
Wenn du auf eine GS steigst, die sich im Vergleich
zu einem Supersportler verhält wie ein Fischkutter bei Windstärke 10
zu einem japanischen Hochgeschwindigkeitszug, um damit beherzt auf einer
Rennstrecke Gas zu geben und trotzdem die Ruhe bewahrst, dann weißt du:
Das ist nicht dein Verdienst. Da ist was unter dir, das dem tanzenden
Elefanten den Schrecken vor der Breitseite nimmt. Verantwortlich dafür
ist vor allem die unterschiedliche Konfiguration der Gummimischungen von
Vorder- und Hinterreifen. Während der Hinterreifen vornehmlich für die
Kraftübertragung zuständig ist, muß der Vorderreifen die Bremskräfte
optimal übertragen und für Spurtreue sorgen. Die verringerte Profiltiefe
an den Reifenschultern fördert zudem einen gleichmäßigeren Abrieb.
Man kann sich nicht
vorstellen, wie schnell man vergessen hat, daß man eigentlich auf Stoppler unterwegs ist und dem Anakee 2 dasselbe Vertrauen schenkt, wie
einem Performance-orientierten Straßenreifen. Wenn dieses Vertrauen auch
noch möglichst lange anhält, wurden alle Wünsche erfüllt.
Verfügbarkeit:
ab Mai 2008 in Österreich und Deutschland
Nicht sein Aufgabengebiet, meisterte die Aufgabe
trotzdem mit Bravour. Michelin Anakee 2