|
Bridgestone legt bei den Supersportreifen nach. Der BT002 ist nun schon
mehrere Jahre im Einsatz und wurde in Österreich vor allem durch den Bridgestone
Cup bekannt. Im internationalen Rennsport setzt Bridgestone voll auf MotoGP und
ließ seriennahe Motorradklassen links liegen. Zu spüren bekamen dies auch jene
Piloten, die mit Bridgestone in der IDM unterwegs waren und dort nach mageren
Ergebnissen das Handtuch warfen. Einen MotoGP Titel später kümmert man sich bei
Bridgestone auch wieder ums "Fußvolk" auf den Rennstrecken und liefert gutes
neues Material für Cups und seriennahen Klassen.
Die Testbedingungen für den Reifen hätten besser nicht sein können. Zur
Verfügung steht eine serienmäßige GSX-R 750 mit 250km am Tacho und
jungfräulicher Fahrwerkseinstellung. Klaus Grammer und NastyNils testeten im
Rahmen der KR-Bikepromotion Veranstaltung am Pannoniaring. Die Reifen wurden
reingesteckt, das Fahrwerk einfach an allen Schrauben ein wenig straffer gemacht
und ein paar Minuten später stand die GSX-R schon an der Startaufstellung. Unser
Motto: Mit einem perfekt eingestellten Fahrwerk kann jeder Reifen glänzen, wir
wollen wissen ob er auch die faulen Schrauber mit guten Zeiten belohnt.
Der Reifen ist von der gutmütigen Sorte, das war schon nach wenigen Runden
klar. Denn die geschätzte Fahrwerkseinstellung passte nicht perfekt und der
Reifen hatte einiges auszubessern. Überdurchschnittlich gut präsentierte sich
der Vorderreifen. Das Reifenbild war nach insgesamt 40 Runden von der feinsten
Sorte - der Reifen fährt problemlos noch dreimal so lange - und auf der Strecke
passte einfach alles. Die Linie wurde sehr zielgenau erwischt und als im Rennen
Kampflinie nötig war, war auch viel Druck am Vorderrad kein Problem. Viel Grip
und Zielgenauigkeit alleine reißen uns im Jahr 2008 jedoch nicht mehr wirklich
vom Hocker. Vom Hocker rissen uns die super Fahrleistungen des Reifens trotz diletantischer Rennvorbereitung. Gibt genug Pneus die Dich bei solch lausiger
Einstellung einfach abwerfen oder sich nach 10 Runden ganz normal auflösen.
|

 |
|
Der Hinterreifen zeigte im Gegensatz zum Vorderreifen zwar deutliche Verschleissspuren (Die Anpassung der hinteren Federvorspannung viel dem
schnellen Aufruf zum Start zum Opfer) und hatte ebenfalls viel Fahrwerksaufgaben
zu erledigen. Hier wirkte der Reifen zumindest optisch nach dem ersten Rennen schon
etwas angeschlagen, doch fürs zweite Rennen passte die Motivation des
Piloten. Reifen mit einem solchen Abnutzungsgrad hab ich schon des Öfteren
beschriftet mit einem 50 Euro Schild an der Boxenmauer liegen sehen, doch das
wäre in diesem Fall Verschwendung gewesen. Das zweite Rennen wurde bei gleichbleibendem Griplevel absolviert und weil Klaus Grammer seinen Speck an den
Hüften ein wenig dezimieren wollte, legte er danach noch einen 30 Minuten Turn
im freien Fahren hin. Die großen Stärken des Hinterreifens waren klar: Gutes
Gripniveau über einen langen Zeitraum und sehr unproblematische Handhabung in
Sachen Abstimmung. Mit einem komplett neuen Motorrad ohne Tests und einem auf "gut Glück" eingestellten Fahrwerk ins Rennen zu
gehen,
zeugt zwar von viel Blödheit aber auch von viel Vertrauen in die Bridgestone-Ingenieure. Die haben uns nicht enttäuscht!
Beim Vergleich mit aktuellen Reifenmaterial von Dunlop oder Pirelli
schneidet der Bridgestone Vorderreifen überdurchschnittlich gut ab. Hinten stellt der Pirelli eine
Spur mehr Grip zur Verfügung. Im Gesamtpaket ist der Bridgestone BT-003 unser
Tipp für unerfahrene Piloten und / oder bei Serienfahrwerken. Wer
wenig Lust auf große Experimente beim Thema Fahrwerk und Reifen hat, liegt hier
richtig. Reinstecken, Luftdruck (Rennstrecke, kalter Reifen) vorne 1.9, hinten
1.8 bar rein und die Mühle liegt gut im Rennen. Bei der Auswahl der Mischung hat
man die Wahl zwischen 3 Varianten für vorne und hinten. Die von uns getesteten
SOFT Mischungen sind sicherlich eine übliche Wahl. Der hintere SOFT Reifen hat
im Vergleich zum Medium Pneu nicht nur eine weichere Mischung, sondern auch eine
weichere Karkasse. Das machte den Reifen auch so gutmütig bei der Abstimmung.
Erstaunlich, dass er trotzdem 2 ganze Rennen und ein paar Turns im freien Fahren
durchhielt.
Ein Hinweis noch für ehrgeizige Streetracer: Der BT003 bietet wie andere
Supersportreifen auch, wenig Grip im kalten Zustand und benötigt hohe
Temperaturen um anständig bewegt werden zu können. Der Sommer muss schon sehr
heiß, der Fahrer sehr willig und das Eisen sehr stark sein wenn man auf der
Strasse den BT-003 dem
BT-016 vorzieht. Der 16er ist ein richtig guter
Reifen (Vorsicht: Die OEM-Reifen auf Neumotorrädern bieten nicht die gleiche
Qualität und die 3 Mischungen wie der "echte" BT-016 beim Händler) und ist unserer Ansicht
nach für jeden Strassenfahrer die bessere Wahl. Im Zweifelsfall kann man dann
noch zur Zwischenlösung BT-002 Racing Street greifen.
|


 |